Zu mir und meiner Arbeit einige Worte:


Leben und Kunst sind bei mir eng verbunden, wie leben und atmen. Mein lebendiges Leben und lebende Menschen sind mir das Wichtigste. Kunst, eine ursprüngliche Lebensäußerung ist der direkte Seismograph meiner Lebendigkeit. Die Kunst ist eine Sprache meines Lebens, wie die Umarmung, wie der Blick. Kunst ist das Echo meines Lebens mit der verstärkten Dimension der Vergänglichkeit.

In der Zeit, als ich den Pflanzen, den Kartoffeln, dem Kohl und den Bohnen mit ihrer ungeheuren Vitalität begegnete, sie zeichnete und nach außen brachte (Galerie Andere Zeiten, Berlin), faszinierte mich der Weg von Bohne zu Bohne über die vielgestalte und verrottende Pflanze.

Gipstücher dieser Zeit waren eine Art Spurensicherung des Lebens. In den sprießenden Gipskuchen siegte mein Wille zum Leben. Der japanische Garten war in einer drei Matten großen Hausandeutung. Das Innere des Hauses wurde zum Garten, den man, von einem Wandelgang aus, Tee trinkend betrachten konnte.

Mein Japan wie ein Bonsei, verkleinert, komprimiert (Frauen Sommer Uni, Berlin). Während der Krankheit meines Freundes zeichnete ich ihn während er schlief, war er im Krankenhaus, beschwor ich die Vitalität mit Bohnensprossen-Zeichnungen. Ein Paket dieser Bohnen und Bohnenzeichnungen erreichte das Frauenmuseum als Beitrag zu einer Ausstellung als living mail art.

Zehn Jahre später ist die Japanische Schriftform meine Kunstform geworden und ich debütierte mit einer Kalligraphieausstellung in Sappora. Sho ist mein Hauptmedium. Tuschespuren heißen die Aufzeichnungen eines sterbenden Mönchs. Die japanische Schriftkunst ist eine Spurenkunst par excellence. Sie ist dreitausend Jahre lebendige Lebensspur Japans und Chinas, von mir aufgespürt, mittelbar und übertragbar.

Noch immer hat die Schrift Raum für mein Jetzt und das Jetzt der BetrachterIn. Die Linie der Japanischen Schrift hat die Fähigkeit, den/die SchreiberIn ganz zu beanspruchen und den/die BetrachterIn direkt zu rühren, wie der Tanz, über Sprach- und Kulturbarieren hinweg. Wie beim Singen als Lebensäußerung braucht es keine Hörer, aber mit dem/der HörerIn kommt noch eine Dimension dazu. So ist es auch beim Schreiben, es braucht keine/n BeschauerIn, aber der/die Beschauerin macht die Fruchtbarkeit möglich, die Weitergabe, die ein starker Teil des Lebens ist.

Machen und Weitergeben und zwar nicht in erster Linie das Produkt, sondern den Zugang zum Tun, zur Kunst, zum Leben.
Leben und Weitergeben - in diesem Sinne traditionell?!




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